Calanda-Umrundung 2022

Wir geben es zu, bei unseren Blogbeiträgen hinken wir zeitlich immer ein wenig hinterher. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass dafür nur Zeit bleibt, wenn unsere „normale“ Arbeit erledigt ist, im Stall alles passt und alle vier Pferde trainiert sind. Einen Bericht möchten wir in diesem Jahr aber gerne noch mit euch teilen.

Obwohl wir auch dieses Jahr eigentlich ganz fleissig geritten sind, hat es für einen Mehrtagesritt lange Zeit einfach nicht gereicht. Doch zumindest einen anspruchsvolleren Ritt wollten wir dieses Jahr auf unserer To-Do-Liste der Strecken, die wir noch nicht geritten sind, abhaken können. Ausserdem war es an der Zeit, dass Carmera endlich auf ihren ersten richtigen Wanderritt mitdurfte.

Das Ziel unseres Rittes war es, einmal um den Calanda herumzureiten. Der Calanda ist der Hausberg des Churer Rheintals und Anja ist mit Blick auf ihn aufgewachsen. Allerdings war sie nie auf der Hinterseite des Bergs. Dafür musste sie erst Walter kennenlernen und wir beiden mussten uns erst eine kleine Pferdeherde zulegen. (Das nächste Bild ist ein kleiner Spoiler: So sieht der Calanda auf der anderen Seite aus, aufgenommen am Morgen unseres zweiten Reittages.)

Da unser Jahr so voll war und scheinbar jedes Wochenende ausgebucht war, wir aber wegen möglichem Schneefall nicht bis zu spät in den Herbst hinein warten wollten, gab es genau ein Wochenende, an dem wir den Calanda umrunden konnten. Die Wetterprognose war für die ganze Schweiz schön, ausser für Graubünden. Da wir beide eher von der sturen Sorte sind, konnte uns das jedoch nicht von unserem Plan abbringen. Stattdessen legten wir Regenmantel und Poncho raus.

Am Freitag packten wir ganz früh am Morgen Sättel und Zaumzeuge ein, verluden die Pferde und fuhren ins Churer Rheintal. Bei einem Bekannten von uns durften wir die Pferde ausladen, putzen und satteln und ausserdem den Hänger stehen lassen. Anjas Eltern brachten uns einen Kaffee, den wir (schon leicht fröstelnd) tranken, während wir die Pferde vorbereiteten.

Von Trimmis aus ritten wir den Rhein entlang talaufwärts. Kurz vor Tamins, wo die Passstrasse auf den Kunkelspass beginnt, begann es zu tröpfeln und bald regnete es durch. Carmera und Merceditas zogen von sich aus in einem beachtlichen Tempo die Passstrasse hoch. Merceditas war schon bei unzähligen Ritten in den Alpen dabei und hat für sich beschlossen, dass man die Höhenmeter am besten zügig hinter sich bringt. Carmera fand diese Strategie anscheinend ganz gut. Und so sogen sich unsere Handschuhe langsam mit Wasser voll und die Chaps liessen durch, während die Pferde fleissig voranschritten. Wir wollten (und durften) uns nicht über das Wetter beschweren, da es bei einer solchen Leistung der Pferde für sie angenehmer ist, wenn die Temperaturen etwas tiefer sind – oder wenn es eben regnet.

Die Fahrstrasse von Tamins auf den Kunkelspass ist breit genug, dass man zu zweit nebeneinander reiten kann und die Bodenbeschaffenheit ist für die Pferde gut. Die Strasse zieht sich über 600 Höhenmeter stetig durch den Wald hoch den Felsen entgegen und ehe man sich versieht, blickt man bereits ins Tal hinunter. Die einzige Pause an diesem Tag machten wir in einem Tunnel, der über eine längere Strecke in den Fels geschlagen ist. Dort konnten wir eine kurze Verschnaufpause einlegen. Der Tunnel ist nicht beleuchtet, stattdessen sind in regelmässigen Abständen Fenster in den Felsen geschlagen. (Und Tucker fand den Tunnel speziell toll, weil er sich mit dem Sand das Fell trocknen konnte. Bis zur Unterkunft wurde er glücklicherweise wieder sauber geregnet.)

Kurz nach diesem Tunnel erreichten wir die Passhöhe, wo es – traditionsgemäss – einen Gipfelschnaps gab. Danach ging die Strasse bergab ins Taminatal. Links und rechts lagen Alpweiden und dahinter erhoben sich Felswände. Schlechtes Wetter hat beim Reiten meist einen Vorteil: Man hat die Welt scheinbar für sich. So ritten wir nebeneinander Richtung Vättis, beobachteten, wie die Wolken um die Berggipfel zogen, und malten uns in klassischer Wanderreitmanier aus, in welches Seitental man sonst wohl noch reiten könnte.

Da wir an diesem Tage nur eine sehr kurze Pause gemacht hatten, hatten Merceditas und Carmera entsprechend früh – und äusserst wohlverdient – Feierabend. Wir konnten im Vorfeld einen Stall organisieren, wo sie etwas ausserhalb des Dorfes einen ganzen Stall für sich hatten. Wir selber marschierten tropfnass die anderthalb Kilometer zurück ins Dorf. Im Vorfeld hatten wir uns noch erkundigt, ob wir nicht einfach im Stall schlafen könnten. Der Bauer hatte nichts dagegen, doch wir waren froh, dass wir uns dennoch für ein Zimmer entschieden hatten. Im Hotel durften wir alles in den Heizungsraum hängen und nach einer heissen Dusche und einem Nap gab es noch einen Programmpunkt: Abendessen (in der Thermounterwäsche, da sonst alles nass war). Nichts macht hungriger als ein ganzer Tag auf dem Pferd. Rehschnitzel und Gemspfeffer halfen gegen den schlimmsten Hunger und ein Salat als Vorspeise und ein Vermicelles zum Dessert stellten dann sicher, dass wir auch satt wurden. Während des Abendessens verzogen sich kurz die Wolken und gaben den Blick auf den Calanda frei.

Am nächsten Tag schlüpften wir in unsere noch leicht feuchte Kleidung und marschierten wieder zurück zum Stall. Dort wurden wir schon ganz munter von Merceditas und Carmera begrüsst. Der sehr nette Bauer, bei dem unsere Pferde untergekommen waren, hatte uns drei Quaderballen bestes Bergheu im Stall hingelegt, wovon Carmera und Merceditas tatsächlich je einen über Nacht gefressen hatten. Auf die Nachfrage am nächsten Tag, ob wir noch mehr Heu brauchten, lehnten wir dankend ab. Denn mit zu vollem Bauch lassen sich Berge nur zäh überqueren.

So sattelten wir, um die zweite Etappe in Angriff zu nehmen: das Taminatal hinunter, auf der anderen Bergseite hoch und um den Chimmispitz herum, so dass wir wieder auf der ursprünglichen Seite des Bergmassivs herunterkamen und dann das Rheintal wieder in Richtung Chur hochreiten konnten. Wenn die Finger erst mal durchgefroren sind, werden die Bergselfies nur noch mässig scharf, doch die Ausblicke und die tollen Wege entschädigten uns für das Wetter!

Nach circa 60 Kilometern und knapp 1’800 Höhenmetern kamen wir am Samstagnachmittag wieder auf dem Bauernhof an, wo wir am Tag zuvor unsere Pferde gesattelt hatten. Wir waren an beiden Tagen je um die fünf Stunden geritten und ja, selbst bei geübten Reitern kann das Muskelkater verursachen. Merceditas und Carmera durften auf eine Weide, bekamen zusätzlich Heu und eine grosse Portion Kraftfutter und durften sich erst mal eine Nacht erholen. Am Sonntag fuhren wir müde, aber äusserst stolz auf die Leistung unserer Pferde – und natürlich unseres Hundes – nach Hause. Nicht nur hatten die Tiere dem Wetter getrotzt und waren eine Strecke marschiert, die wohl mancher Mensch nicht so ohne Weiteres auf zwei Tage schaffen würde. Carmera war ausserdem zum ersten Mal in ihrem Leben zwei Tage mit uns unterwegs gewesen. Dabei war sie absolut unerschrocken (denn man trifft ja doch so einiges auf einem Wanderritt) und ist über die Berge marschiert, als ob es die Hügel im Umland unseres Stalles wären. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie sehr wir uns auf alle weiteren Ritte mit ihr freuen!

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